116 – Christin Nichols

ChristinNichols by Kay Ruhe3(1)

Wenn Schauspieler:innen Musik machen, oder Musiker:innen auf einmal schauspielern, geht das nicht immer direkt im ersten Anlauf gut. Es gibt aber diese wenigen Ausnahmen, bei denen man gar nicht so genau weiß, was zuerst da war – Musik oder Schauspiel.

Genauso ist das bei Christin Nichols. Mir war die britisch-deutsche Musikerin und Schauspielerin vor allem als Teil des Elektro-Pop-Punk Duos „PRADA MEINHOFF“ bekannt. Zweimal habe ich die beiden live gesehen und war jedes Mal verzaubert von der Energie, der elektrisierenden Präsenz und dem, was sie auf der Bühne ohne großen Technik- und Instrumenten-Firlefanz abbrennen können.

Nun schauspielert Christin Nicholas aber auch unter anderem am Schauspiel Leipzig und zuletzt in ARD-Serie „All You Need“. Und weil das alles nicht reicht, veröffentlicht sie noch in diesem Jahr ihr erstes Solo-Album „I’m Fine“. Drei Singles sind davon schon draußen und zeigen, wo das ganze hingehen wird: Pop, der mal schlecht gelaunt schroff, mal Disco-wavig, aber vor allem unglaublich eingängig ist.

Die aktuelle Single „Today I Choose Violence“ ist letzten Freitag (16.07.21) erschienen und ist Christin Nichols‘ Replik auf ungefragte Bemerkungen, vergiftete Komplimente und Ratschläge, „wie man sich als Frau zu geben habe", „wie ihr Körper auf den Betrachter gerade rüberkäme" (mal hot, mal not) und vor allem, „dass sie sich doch bitte nicht so anstellen solle." Christin Nichols verbindet hier Dark-Disco mit Empowerment und jedes Wort des Songtextes hat sie dafür aus tatsächlichen Gesprächen des eigenen Alltags gezogen. Fiktion wird an der Stelle überflüssig, wo die Realität klingt wie ihre eigene Dystopie.

„Today I Choose Violence“ ist ein starker Song mit treibendem Beat, markanter Bassline, schillernden Vocals und instant Ohrwurmpotential. Selbstverteidigung, aber catchy!

DIE LISTE 

Die traurigsten Lieblingssongs von Christin Nichols.

 

Joy Divison – Disorder

Wenn ich mir so richtig die Melancholie Keule geben will, fang ich mit diesem Kracher an. Jedes mal wenn ich diese Gitarre höre, fange ich an zu heulen. Für diesen Song ist eine emotionale Grundstabilität Voraussetzung, sonst kann er leider gar nicht erst angemacht werden.

Sonic Youth – Incinerate

Ian Curtis hat mich also schon mal weichgeklopft, gut. Dann leg ich nach mit Kim und Thurston. Ich stell mir bei Sonic Youth automatisch immer wieder vor wie ich in den 90ern Amerika kennen gelernt und empfunden habe. Seufz.

Blur – Coffee and TV

Ich hatte mit 14 eine extrem melancholische Phase, in der ich immer diese eine gebrannte CD gehört habe. Den Song habe ich geliebt, der hat mich einfach machen lassen und meinen Vibe angenehm supportet. Und meinen Crush auf Damon Albarn.

Mazzy Star – Fade Into You

Wenn ich noch kann, dann kommt dieser Klassiker der tiefschürfenden Gefühlswallungen. Only if you dare to dig deep.

Yeah Yeah Yeahs – Maps

Was du kannst nicht mehr? Und ob. Push through. Keine Ahnung wie oft ich zusammen mit Karen O. zu diesem Song geweint habe. Es war oft. Ich liebe Sie.

Editors – Munich

Was soll ich sagen, das war halt meine Ära damals. Den Track habe ich mir auf 7” ich in Hamburg am Grünspan gekauft. Ich hatte damals mit 17 nicht mal einen Plattenspieler. Egal.

Elliot Smith – Between the bars

Ach Elliot. Ich hoffe dir geht’s gut, da wo du bist. *Wischt Tränchen weg*

Daniel Johnsson – Worried Shoes

Ich habe den Song in einer Phase in meinem Leben entdeckt, wo ich ihn am meisten gebraucht habe. Was für ein Genie. 

The Cure – A Forest

Wahrscheinlich mein Lieblingslied bis in alle Ewigkeit. King of melancholy Robert ist und bleibt der größte. (Neben Martin Gore versteht sich).

Harry Styles – Sign of the times

Kannte den Jungen vorher gar nicht. Abgesehen von diesem sehr ulkigen Video flasht mich der Song total. Merci, One Direction for splitting up.