97 – Onemillionsteps

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Das Trio Onemillionsteps besteht aus Nora Oertel, Jonas Teichmann und Max Schneider. Neben diversen anderen musikalischen Projekten bildet die Band seit Jahren den Kern ihres musikalischen Schaffens. Für ihre neuen Songs haben sie sich erstmals mit dem Berliner Label Listenrecords zusammengetan. Gemeinsam sollen in den nächsten Monaten diverse Veröffentlichungen umgesetzt werden. Ihre Songs sind dabei stets kleine Sammlerstücke mit melancholischen Momenten, großen Melodien und immer wieder einer ordentlichen Portion Drive.

Nach der ersten Single “Vanitas” erscheint diesen Freitag, am 05. März, die EP “Suns, Lightbulls And Things Waiting In The Dark”.

Die EP besteht aus drei unfassbar gut produzierten Songs, die mich zu folgender Frage bringen: „Warum höre ich erst jetzt von dieser Band?“. Lieber spät als nie, I guess.

Nora Oertels eindringliche Stimme singt so leidenschaftlich Sätze wie „It breaks my heart in two“, dass man gar nicht anders kann, als Gänsehaut zu bekommen. Eingeschlossen wird sie von einer cool rollenden Rhythmusgruppe und indie-lastigen Gitarren, die mollig verträumt auch mal laut ausbrechen dürfen, nur um dann aber schnell wieder verschüchtert Platz zu machen. Bloß nicht auffallen und dabei aber alle mitreißen. Dazu kommen ein paar Synthies hier und ein paar verspielte Sounds da und fertig ist die perfekte Mischung aus verzauberndem Dreampop und leichtfüßigen Indiefolk, alles irgendwo zwischen Cranes, Alvvays und den Shout Out Louds. Ich bin Fan!

DIE LISTE 

Die traurigsten Lieblingssongs von Onemillionsteps

Max

 

Andy Shauf - Martha Sways

Der berühmte traurige Rausschmeißersong auf einem wunderbaren Album. So schön arrangiert und dabei nie kitschig, sondern immer tragisch. Auch einer der besten Konzertmomente, bei denen ich anwesend sein konnte.

Salamanda - a void

Dieses elf minütige Epos unserer befreundeten Band Salamanda ist für mich das Destillat aus Verzweiflung und Melancholie verpackt in einer  Post-Rock Hymne, die gefühlt immer langsamer und schwerer wird und einen betrunken um vier Uhr nachts auf den Boden drückt.

Dota Kehr - Selten Aber manchmal

Bei diesem Lied bin ich sofort wieder 16 und unglücklich verliebt. Das Gefühl jemandem nicht sagen zu können, wie sehr man ihn mag, weil man zu schüchtern ist, keine Freundschaft kaputt machen will, oder einfach nicht wahrhaben will, dass es aussichtslos ist und man sich lieber jahrelang in der Traurigkeit suhlt.

 

Jonas

 

Radiohead - Daydreaming

Bei diesem Song setzt ein flirren in meinem Kopf ein, auf Knopfdruck passiert ein Sog ins innere. Deshalb kann ich ihn eigentlich nie hören. Schade, dabei ist er so gewaltvoll schön und für mich eine Brücke ins Jahr 2016. Ich glaube über Radiohead ist ansonsten alles gesagt worden. Oder?

 

Svin - Illilu

Onemillionsteps waren Vorband im Ostseebad, lange ist es her. Jazzstudierte Kopenhagener, die keine Texte brauchen um wirklich sehr gut auf den Punkt zu bringen was sie umtreibt. Ich kenne wenige Bands, die ihre brachiale Musiksprache so ausgeprägt haben, ohne ihren Humor zu verlieren. Wem es gefällt spielt als nächstes: How deep is your love. Ein Hit.

Smashing Pumpkins - 1979

Coming of age-Melancholie zu einem Song gegossen. Man kann weinend tanzen zu dem Song, mal sehen wie es erst wird, wenn wir wirklich alt sind.. Darlingside haben ein tolles cover gemacht.

 

Nora

 

Onemillionsteps - What else is there

Noras Lieblingssong von unserer 2013er EP. Es geht um Faszination bis hin zur Obsession, die Unfähigkeit, mit einer vergangene Liebe abzuschließen und das Bedürfnis das Geheimnisvolle und Unendliche in einer Person ergründen zu wollen.

Der Song hat einen sehr warmen vintage-sound und nickt mit einem referenziellen Lächeln rüber zu Pink Floyd.

St. Vincent - Surgeon

Ich liebe, wie die maßvoll eingesetzten Lyrics in diesem Song ein Drama vor dem inneren Auge entstehen lassen; sich stapelnde Post, Isolation, Pillen, unliebsame Gespräche mit der Mutter und der vehemente Wunsch von einem Chirurgen aufgeschnitten zu werden. Hinzu kommt natürlich die absolut beeindruckende guitar-wizardry von Annie Clark.

Soko - Being sad is not a crime

Soko ist geradezu berüchtigt dafür, wunderschöne traurige Songs zu schreiben. „Being sad is not a crime“ gibt einen Einblick in die Gefühlswelt der Depression. Wie das gesamte aktuelle Album „Feel Feelings“, klingt auch dieser Song, wie aus einer nie dagewesenen Vergangenheit, analog, weich und handgemacht, toll arrangiert.

Björk - All is full of love

Wie wir alle wissen, ist Björk ein Genie und dieser Song ist für mich einer ihrer besten. Die Streicher, die verzerrten Beats und die Chöre geben diesem Song etwas Überirdisches. Ich erinnere mich, wie ich ihn mit 20 auf meinem Walkman hörte und das Gefühl hatte, eine tiefe Wahrheit begriffen zu haben. Die Vorstellung, dass alles voller Liebe ist und ich sie nur annehmen muss, hat mein Mindset und meine Wahrnehmung nachhaltig geprägt und ich bin immer noch dankbar dafür.