104 – Ursina

Ursina_MG_8555 ©Angelika Annen

Am Freitag (30.04.) erscheint das zweite Album „When I Let Go“ der Schweizer Musikerin Ursina.

Um neue Entscheidungen zu treffen, müssen alte Gewohnheiten abgeworfen werden. „Den Mut finden, mutig zu sein. Darum geht es.“ sagt Ursina. „Let go of what needs to go - es ist das Mantra, das mich durch dieses Album führt.“

Im Dorf, wo Ursina Giger aufwuchs, hing immer ein Hauch Heimweh in der Luft. Heimweh, noch bevor man in die Ferne zog. Disentis liegt in der Ostschweiz und ist von Bergen umringt. Die meisten Jugendlichen müssen ihre Zukunft anderswo suchen. Das Gefühl, dass früher oder später die Trennung kommt, schürt eine leise Melancholie, die wie ein roter Faden durch die Musik aus dieser Region führt.

Auch auf „When I Let Go“ ist diese Melancholie zu hören. Wie schon auf ihrem Debüt „You Have My Heart“ aus 2017 singt die Künstlerin auf Englisch und in ihrer Muttersprache Rätoromanisch, was den Songs eine wunderschöne Mystik verleiht. Unterstützt von filigraner, ja fast vorsichtiger Instrumentierung entstehen da clever-melancholische Popsongs irgendwo zwischen BOY und Cate Le Bon. Und trotz aller Melancholie hat die Musik von Ursina auch etwas Erbauendes. Eine Motivation für den Aufbruch ins Neue. Der Soundtrack für den Neustart.

DIE LISTE 

Die traurigsten Lieblingssongs von Ursina.

 

Michael Benedikt – Cathedral

Micheal Benedikt aka Florian Egli ist ein Tausendsassa. Er ist Saxophonist, spielt Bass in meiner Band, schreibt aber auch Klaviermusik, die Luzius Schuler für ihn hier eingespielt hat (auch ihn hört man auf meinem neuen Album). Die perfekten Klavierklänge für den Montagmorgen. Ich liebe den warmen Sound und die vielen Nebengeräusche - und den Song natürlich.

Mariam The Believer – Opening

Mariam Wallentin ist eine Ausnahmekünstlerin, die ich sehr bewundere und schon lange verfolge. Ihre Musik und auch ihre Stimmen sind ehrlich, zerbrechlich, roh. Ihre Songs nehmen oft ungeahnte Wege und überraschen. Das finde ich sehr spannend und inspirierend.

Mnevis – Moviestar

Die Jungs von Mnevis sind in der schweizer Indie Szene ziemlich gehyped. Nicht ohne Grund. Moviestar ist ein Hit, den ich nicht nur am Montag gerne höre. Die smoothen Vocals von Mario Hänni und die chillige Atmosphäre des Songs gefallen mir sehr.

Leoni Leoni - Langsam müed

 Leoni Leoni produziert ihre Songs in ihrer Waschküche. Ich glaube, sie verbringt dort viel Zeit und taucht in die Welt ihrer Synthies ein. Das hört man ihrer Musik an, die sich wie eine Wolke aus Melancholie ausbreitet. Ich liebe ja Melancholie.

Feist - How Come You Never Go There

Das Album Metals von Feist hat mich geprägt wie wenige andere. Die Musik und die Lyrics sind so gut zueinander. Die Arrangements sind mega kreativ. Die Musik hat etwas Rohes und ist trotzdem so unglaublich warm. Natürlich auch wegen Feists Stimme. Und dann singt sie auch noch „But peace is never what it seems“. Nothing to add.

Pascal Gamboni - Da mai si

Das ist ein rätoromanischer Song. Da mai si - gib nie auf. Pascal Gamboni ist einer meiner Wegbegleiter. Wir sind im gleichen Tal aufgewachsen. Als Teenie hörte ich schon seine Musik und jetzt machen wir ab und zu zusammen Musik. Ihm gelingt es mit wenig Worten viel zu sagen.

Kush K - Forever Only

Noch eine gehypte schweizer Indieband. Und auch dieser Song ist ein Hit. Ich mag den treibenden Beat und die fordernde und fragende Stimme.

Kejnu – Apeland

Kejnu aka Nuél Schoch schreibt dunkle Songs und wenn man gut hinhört, erkennt man, dass die Lyrics meist dunkler sind. Perfekt also für den traurigen Montag, aber das Bein wippt zum Glück trotzdem mit.

Anna Erhard - Thinking of an End

„All good things need breaking“ - wie wahr. Ana hat den Song in Berlin mit Pola Roy produziert (er hat auch mein letztes Album You Have My Heart produziert). Ich mag diesen Song, weil er trotz der Melancholie Hoffnung verströmt.

Phoebe Bridgers - Smoke Signals

Die Musik von Phoebe Bridgers kenne ich seit ihrem Album Strangers in the Alps. Dieses Album habe ich bestimmt 100mal gehört. Ihre Texte sind tieftraurig und die Musik dazu so wunderschön. Ach, Melancholie.